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Was hat Joggen mit 57 mit Grenzen setzen zu tun?

Mehr, als du vielleicht denkst.

Ich komme gerade zurück von einer Joggingrunde. Und während ich noch nachatme, merke ich: Diese Runde war mehr als Bewegung. Sie war ein Spiegel.

Früher – sagen wir zwischen 25 und 45 – war ich eine sehr beherzte Läuferin. Ich bin viel gelaufen. Um die "Alte Donau" übrigens, - falls du sie kennst. Auch viel mit meinem Papa. Er hat mich motiviert, angetrieben, manchmal auch ein Stück über meine Grenzen hinaus gepusht. Wir sind gemeinsam gelaufen, leistungsorientiert, zielgerichtet.

Und heute, mit 57, stehe ich an einem ganz anderen Punkt.


Alte Donau Wien
Alte Donau Wien

Der Körper erinnert sich – auch nach Jahren

Ich bin lange nicht gelaufen. Und doch war da plötzlich diese Lust. Diese Freude. Dieser Impuls, meinen Körper wieder auf diese Weise zu bewegen.

Die ersten Runden im neuen Jahr waren überraschend gut. Was mich wirklich berührt hat: Mein Körper hat sich erinnert. Mein Zellsystem wusste sofort, wie Laufen geht.

Die Atmung ist ganz natürlich in einen ruhigen Rhythmus gefallen. Meine Laufbewegung war stimmig. Nicht kraftvoll im Sinne von Leistung – sondern rund, getragen, vertraut.

Es war, als würde mein Körper sagen: Ich weiß das noch.

Gleichzeitig habe ich sehr klar gespürt, wo Muskulatur fehlt, wo etwas schwächer ist, wo Entwicklung wieder Zeit braucht. Und das Erstaunliche: Ich konnte das wahrnehmen, ohne mich zu verurteilen. Einfach annehmen. So ist es gerade, und der Wunsch, das wieder zu stärken, dranzu bleiben.


Heute war Widerstand – und ich bin stehen geblieben

Bei dieser Laufrunde war es anders. Schwerer. Zäher. Widerstand.

Auch das kenne ich. Das gab es früher natürlich auch oft. Und mein Muster war klar: Drübergehen. Durchbeißen. Weitermachen. Zähne zusammen. Auch "motiviert" von meinem Papa - also von außen!

Heute habe ich etwas anderes gemacht. Ich habe gemerkt: Hier ist heute meine Grenze. Und ich habe beschlossen, sie zu respektieren.

Ich bin nicht darüber gegangen. Ich habe meinem Körper vertraut. Ich habe entschieden: Es reicht. Für heute ist genug. Ich spaziere den Rest der Strecke. Und das hat sich sooo gut angefühlt. Und genau da wurde mir etwas sehr klar.


Was hat mein System da eigentlich gelernt?

Ich habe mich – ohne Urteil, aber sehr ehrlich – gefragt: Was habe ich meinem System über all die Jahre beigebracht?

Dass Ziele nur mit Anstrengung erreicht werden? Dass Erfolg einen Preis hat? Dass es dazugehört, über die eigenen Grenzen zu gehen – auch wenn es sich danach schlecht anfühlt?

Ich weiß nicht, wie oft ich früher nach Laufeinheiten Kopfweh hatte oder mir schlecht war. Wie oft ich über eine Grenze gegangen bin, die mein Körper klar angezeigt hat.

Und ich frage mich heute: Ist das wirklich der richtige Weg? Ist das bewundernswert? Oder ist das eine Geschichte, die uns eine leistungsorientierte Gesellschaft erzählt hat – eine, in der ich selbst lange mitgelaufen bin?


Eine neue Haltung zu Zielen, Leistung und Selbstfürsorge

Diese Reflexion macht mich heute, mit 57, sehr friedlich.

Ich erreiche meine Ziele anders. Nicht mehr über Druck. Nicht mehr über Selbstüberforderung oder druch Druck von außen.

Sondern aus Freude. Aus der Freude an Bewegung. Aus der Freude am Vorankommen. Und aus einer tiefen Selbstliebe heraus, die sagt:

Meine Grenzen sind kein Hindernis. Sie sind ein wichtiger Teil meines Weges.

Sanftheit ist kein Rückschritt. Sie ist eine andere Form von Kraft und Klarheit.


Eigene Grenzen spüren – und damit auch im Außen klarer werden

Ich glaube zutiefst: Wie gut ich meine eigenen Grenzen spüre und respektiere, hat viel damit zu tun, wie sehr andere über meine Grenzen gehen.

Grenzen setzen beginnt nicht im Außen. Es beginnt in mir.

In der Fähigkeit, mich selbst ernst zu nehmen. In Selbstempathie. In Verbundenheit mit meinem Körper. In Selbstannahme. In Selbstwert.


Und ja – genau darum geht es in meiner Arbeit und auch in meinem Programm "Aufrichtig statt angepasst!"


Vielleicht kannst du bei dieser Geschichte andocken.Vielleicht spürst du auch, wie sehr Anpassung oft bedeutet, über die eigenen Grenzen zu gehen, um zu funktionieren, zu leisten, dazuzugehören.

Und vielleicht ist Aufrichtigkeit genau das: Zu sagen:

Stopp! Hier ist meine Grenze. Mehr kann ich gerade nicht. Mehr will ich nicht. Mehr gibt mein System nicht her. Und ich respektiere das.

Wie siehst du das? Welche Erfahrung hast du mit deinen Leistungsansprüchen an dich selbst? Woher kommen sie wirklich? Wer sind dein Antreiber? Schreib es mir genre in die Kommentare - ich freu mich auf Austausch!

Wenn dich das anspricht, lade ich dich herzlich ein zu meiner Woche „Aufrichtig statt angepasst – Beherzt Klartext reden“ab 19. Jänner zu kommen.


Ein Raum, um dich wieder mit dir selbst zu verbinden. Deine Grenzen zu spüren.Und Klarheit zu finden – ohne Druck, ohne Selbstverrat.

👉 Alle Infos & Anmeldung findest du hier: https://www.gewaltfrei-wien.com/aufrichtigstattangepasst







 
 
 

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