Wenn dich etwas triggert – und was wirklich dahinter steckt
- brigittepuhr
- 18. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Wie du in Konfliktsituationen bei dir bleiben und wieder in Verbindung kommen kannst
Kennst du diese Momente, in denen jemand etwas sagt oder tut – und in dir fährt sofort ein Automatismus hoch? Reaktiv, unkontrolliert, emotional? Dann bist du nicht allein. In diesem Blogartikel geht es um genau solche Trigger-Momente. Und darum, wie du sie als Einladung nutzen kannst: für mehr Selbstverbindung, mehr Bewusstheit – und einen echten Perspektivwechsel in deiner Kommunikation.
Reaktive Muster erkennen
In meinen Workshops erlebe ich es immer wieder: Menschen berichten von Situationen, in denen jemand im Außen etwas tut, was uns nicht passt– der Chef, die Kollegin, der Partner, die Freundin – und zack, geht ein innerer Mechanismus los, ein impulsives Reaktionsmuster: Schuldzuweisung, Urteile, Bewertung - das Gefühl Wut & Ärger.
Wir bleiben dabei komplett im Außen – und verpassen damit die Chance, zu spüren, was in uns gerade wirklich los ist. Denn: Wenn wir andere verurteilen, wenn wir sagen „Der ist so und so“ oder „Die hat wieder mal...“, dann bleiben wir an der Oberfläche. Kurzfristig mögen solche Allianzen sogar stärkend wirken – wir suchen uns Verbündete, die mit uns lästern, schimpfen, sich gemeinsam empören. Das kann verbinden. Aber eben nur scheinbar. Denn was wir in solchen Momenten wirklich tun, ist: Wir schaffen Trennung. Polarisierung. Spaltung.
Warum wir lieber urteilen als fühlen
So verlockend es ist, mit einer Gruppe gemeinsam Dampf abzulassen – es hilft uns nicht weiter. Im Gegenteil: Wir verlieren uns in Meinungen, statt uns selbst zu spüren. Wir fühlen uns einerseits zugehörig in der Empörungs-Gruppe – aber wir verlieren die Verbindung zur anderen Person, zum eigentlichen Gegenüber. Und: auch zu uns selbst.
Dabei ist das, was uns da so ärgert, oft ein Hinweis auf etwas viel Tieferes. Eine unbewusste Sehnsucht. Ein nicht erfülltes Bedürfnis. Etwas, das uns wirklich wichtig ist.
Aber um dorthin zu kommen, braucht es Mut. Und Präsenz. Denn der einfachere Weg ist erst einmal: urteilen. Zuschreiben. Kategorisieren. Doch dieser Weg bringt m. E. nichts. Null. Kein Lernen. Kein Wachstum. Keine Verbindung.
Wenn du selbst zum Ziel von Bewertungen wirst
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr Zuschreibungen treffen können. Kürzlich wurde mir nach einem Seminar in einem schriftlichen Feedback das Wort „weltfremd“ übergestülpt. Einfach so, schwarz auf weiß: „Frau Puhr ist weltfremd.“ Punkt.
Puh. Das hat gesessen. Auch wenn ich seit Jahren lehre, wie man mit Kritik umgeht – dieser Satz hat mich getriggert. Meine erste Reaktion war ein innerer Gegendruck, so ein typisches: „Was soll das heißen?! DU bist weltfremd!“ – ein Ping-Pong-Spiel der Bewertungen, das sich still aber intensiv in mir selbst abspielte.
Danach kam die andere Seite: Mein Zweifel. Was, wenn da etwas dran ist? Was habe ich gesagt oder getan, dass jemand diesen Eindruck hatte? Bin ich wirklich so weit weg von dieser Welt? Es war wie ein Abgleiten in eine Leere. Denn letztendlich: mit so einem Urteil oder Zuschreibung, kann ich nichts anfangen. Ich kann nichts verändern. Nichts dazulernen. Ich bekomme keine Information, was genau nicht gepasst hat. Es ist einfach nur ein Etikett.
Vom Urteil zur Verbindung – was sich wirklich verändert
Solche Erlebnisse führen mich allerdings zu dem zurück, wofür ich stehe: für Kommunikation, die Verbindung schafft. Für Worte, die nicht Verbidung schaffen und Türen öffnen. Für Feedback, das differenziert ist und beim Gegenüber ankommt. Denn: Nur wenn ich weiß, worauf sich die Rückmeldung überhaupt bezieht, auf welche Tatsachen, Fakten oder auf welche meiner Aussagen oder Verhalten, kann ich dazulernen. Nur wenn ich höre, was beim anderen ankam - oder gefehlt hat, kann ich verstehen und auch darauf eingehen. Nur dann entsteht Dialog.
Ein Urteil wie „weltfremd“ ist ein Trennungsmarker. Es reißt eine Lücke auf, statt eine Brücke zu bauen. Es entzieht jeder Beziehung den Boden. Und doch liegt in solchen Momenten ein Schatz verborgen: die Einladung, dich selbst tiefer kennenzulernen.
Ich habe in meinem Fall erkannt, dass dieses Urteil mein zentrales Bedürfnis nach Verbindung berührt hat – mein Wunsch, mit meiner Arbeit Menschen zu erreichen, sie mitzunehmen. Und ich wurde darin nochmal an meine Herzensmission erinnert: Räume zu schaffen, in denen wir aufrichtig sprechen können, ohne einander zu verurteilen.
Ohnmacht, Verantwortung und die Wahl
Was oft mitschwingt, wenn wir urteilen – sei es über andere oder uns selbst – ist Ohnmacht. Wir fühlen uns dem Verhalten anderer ausgeliefert, fordern, dass die sich ändern müssen, damit es uns besser geht. Doch das führt in eine Sackgasse.
Wenn wir in diesem Urteil verharren, bleiben wir machtlos. Wir bleiben in der Opferrolle. Der einzige Weg, wirklich etwas zu verändern, ist: die Verantwortung für unsere Reaktion zu uns zurückzuholen.
Denn: Nur in uns selbst können wir wandeln, was uns im Außen verletzt. Wenn du verstehst, warum dich etwas triggert, welche unerfüllten Bedürfnisse oder Werte dahinterstehen, dann entsteht Handlungsspielraum. Dann kannst du wachsen – und deinen inneren Frieden stärken.
Trigger als Einladung zur Heilung
Trigger sind kein Zeichen von Schwäche oder Unvermögen. Sie sind Wegweiser. Und wenn du ihnen nachgehst, kannst du tiefen Schmerz, alte Geschichten, verdrängte Gefühle erkennen – und heilen. In meiner Arbeit begleite ich Menschen genau in diesen Prozessen: bei der Rückverbindung mit sich selbst, mit dem eigenen inneren Kind, mit alten Verletzungen. Dort liegt oft der Schlüssel.
Was daraus entsteht, ist echte Weichheit. Echte Sanftheit. Und ein Herzraum, der sich weit öffnet – für dich selbst und für andere. Da beginnt echte Verbindung. Und genau dort kann auch deine Kommunikation eine ganz neue Qualität bekommen.
Feedback mit Herz – wie du Verbindung schaffst
Wie könnte „Sie sind weltfremd“, als wertvolles Feedback formuliert werden z.B.:
„Ich konnte mit den Impulsen nicht so viel anfangen, ich hätte mehr Beispiele für meinen Arbeitsalltag gebraucht, um zu verstehen, wie ich es anwenden kann. Mit fehlt da noch Klarheit.“ Dann weiß ich, was ich anpassen kann. Dann entsteht ein Dialog. Dann kann ich reagieren, lernen, wachsen.
So geht Verbindung. So geht friedvolle Kommunikation. Und das geht auch für dich: Wenn dich etwas stört, hau kein Urteil raus. Spür nach. Was hat es mit dir gemacht? Was ist dein Bedürfnis? Was ist nicht erfüllt? Was brauchst du?
Dann formuliere aus dieser Tiefe heraus eine Bitte. Einen Wunsch. Eine Rückmeldung, die den anderen nicht bewertet, sondern einlädt. Denn wir alle wollen beitragen. Wir alle wollen in Verbindung sein.
Der Weg zum inneren Frieden – und warum er außen beginnt
Am Ende ist es ganz einfach – und gleichzeitig tief transformierend:
Wenn du im Außen etwas erlebst, das dich triggert, geh nach innen.
Und wenn du im Außen urteilst, geh ebenfalls nach innen. Dort beginnt die Veränderung. Dort liegt deine Kraft.
Es gibt viele Tools, um diesen Weg zu gehen. Die gewaltfreie Kommunikation ist eines davon. Mein Zugang über beherztes Klartext reden, ist ein anderer. Vielleicht hilft er dir. Vielleicht auch nicht. Vielleicht findest du deinen ganz eigenen. Aber was auch immer du tust: Nimm den Trigger zu dir. Und wandle ihn.
Denn nur so entsteht echter Frieden. Zuerst in dir. Dann im Gespräch. Und dann vielleicht auch in der Welt.
Lust auf tiefergehende Begleitung?
Wenn dich diese Themen ansprechen, wenn du dich gerade in einem Prozess befindest, in dem du mit Bewertungen, Konflikten oder innerer Unruhe kämpfst – ich begleite dich gern.
Wenn du mit mir live, tiefer in das Thema eintauchen willst: Reserviere dir schon jetzt die Abende vom 19.1. - 26.1.2026 (!) in deinem Kalender. Wir starten gemeinsam in eine "TRANSFORMATIONSWOCHE - Aufrichtig statt angepasst" 19.1. - 26.1.2026 abends Trage dich in die Vorab Liste ein, wenn du nichts verpassen willst! |
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